Banker-Boni und "Hartzen": Gier und Faulheit? Kommentar der Berliner Zeitung

Bankmanager kn aufatmen. Monatelang standen sie am Pranger und wurden mit faulen Eiern beworfen, weil sie - so der Vorwurf - die Welt in die Krise geritten haben. Nun aber kn die Banker wieder diskret in den Hintergrund treten. Denn die Finanzkrise scheint ausgestanden zu sein. Was bleibt, ist das Erbe der Krise: riesige Staatsschulden, deretwegen jetzt gespart werden soll. Und schon wird eine neue Gruppe an den Pranger gestellt: die Arbeitslosen. Der ergang zwischen beiden Gruppen verlt so nahtlos, da beide eines lichen Vergehens fuldig befunden werden.

Zu den Managern: Ihnen wird der Vorwurf der Gier gemacht. Angefeuert durch hohe Erfolgsbeteiligungen (Boni) hen sie alles Maverloren und immer riskantere Gesche getgt, die schlieich in die Krise f. In diesem Vorwurf trifft sich das etablierte Misstrauen gegen "die da oben" mit der Modellwelt der onomie. onomen konstatieren ein "Anreizproblem" bei der Bezahlung der Manager. Da ihre Vergmit dem Erfolg steigt, zielen die Manager auf kurzfristige maximale Gewinne und lassen dabei alle Vorsicht fahren, was schlieich zur Katastrophe fDie Geltung des Dreischritts "hohe Boni - Gier - Krise" soll damit quasi bewiesen sein: Da Krise herrscht und ein Anreizproblem besteht, muss die Krise aus dem Anreizproblem folgen.

Mit lich kLogik wird bei den Arbeitslosen vorgegangen. Nur dass ihnen eine andere Todsur Last gelegt wird: Faulheit. Auch dieser Vorwurf stich auf ein etabliertes Misstrauen gegen "die da unten", die Geld erhalten, obwohl sie nicht arbeiten. Auch in ihrem Fall erh das Misstrauen Unterst aus der Welt der Volkswirtschaftslehre, auch hier konstatieren onomen ein Anreizproblem: Da (in einigen Fen) die Bezr Hartz-IV-Bezieher so hoch liegen wie der Lohn fingverdiener, lohnt sich das Arbeiten f nicht mehr. Der Dreischritt lautet: Hartz IV - Faulheit - Arbeitslosigkeit. Aus einer simplen Gegenellung von Niedrigln und Hartz-IV-Bezird der Schluss gezogen, Arbeitslose ln lieber auf der faulen Haut (als ob sie das d).

Dass hohe Boni zu Finanzkrisen f oder dass Faulheit die Ursache feitslosigkeit ist - diese Vorwassen sich durch empirische Untersuchungen nicht belegen. Msie aus Sicht vieler empr Baber auch nicht. Denn den Vorwzugrunde liegt ein angenommener Gesellschaftsvertrag. Und der sieht vor: Leistung gegen Teilhabe. Wer viel/mehr leistet, der bekommt auch viel/mehr. Gegen diesen Vertrag hen Manager sowie Hartzler verston. Die einen, weil sie mehr bekommen als sie leisten, die anderen weil sie upt etwas bekommen, obwohl sie nichts leisten. Beide fallen daher unter das Verdikt "Schmarotzer".

An die Geltung dieses Vertrags wird geglaubt, obwohl er nicht existiert. Nicht bei den Managern: Bei ihnen regelt der Markt das Einkommen. Es existiert keine ordnete Gerechtigkeitsinstanz, die eine Angemessenheit von Lohn und Leistung herstellt. Beziehungsweise: Der Markt ist die Instanz.

Nicht bei den Arbeitslosen: Sicher, sie "leisten" nichts. Doch ist ihre Arbeitslosigkeit ja gerade der Ausgangspunkt dafnen ein Ersatzeinkommen zu schaffen - und nicht das Ersatzeinkommen der Grund ihrer Arbeitslosigkeit.

Das Gesetz von der Entsprechung von Einkommen und Leistung gilt ns auch nicht bei Millionn, die von ihrem Verm leben; und auch nicht bei normalen Arbeitnehmern. Ihr Einkommen richtet sich eher nach der gesamtwirtschaftlichen Situation, der Lage am Arbeitsmarkt oder der Kapitalintensitihres Arbeitsplatzes, als nach ihrem perschen Einsatz im Job.

Zwar gilt das Gesetz nicht. Doch bei der Deutung omischer Missste tut es seine Dienste. Arbeitslosigkeit und Krise werden zu Fragen der individuellen Charakterschwe von Managern und Hartz-IV-Empfern. Aus diesem Befund erwst das Bed nach staatlichem Zwang - und schlieich nach Bestrafung der eltr.

Dieses Bed trifft Arbeitslose und Manager unterschiedlich. Hier endet die Analogie. Auf Hartz-IV-Empfer wird mehr Druck ausgeie msich am Ende glh schen, wenn sie nach der Neuberechnung des Regelsatzes noch so viel haben wie zuvor. Manager hingegen bleiben vom staatlichen Zwang im Wesentlichen verschont. Und der Markt ist gut zu ihnen: Laut dem Fachblatt Personalmagazin haben sich die Trends bei der Bezahlung von Fskren durch die Krise nicht geert.

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Es existiert keine ordnete Gerechtigkeitsinstanz, die eine Angemessenheit von Lohn und Leistung herstellt.


Ich finde, das Missgunst als Reaktion auf die Gier mancher Einkommensbezieher ("Banker-Boni") oder die Faulheit mancher Transfereinkommensbezieher ("Hartzer") wie es derzeit die Mehrheit der Politiker-Elite vorlebt nur wieder Trotzreaktionen oder Ressentiments hervorbringt, die die Gesellschaft spalten statt einen. Ich mag das daginter stehende Menschenbild nicht, da es auf Verfehlungen (Gier, Faulheit) mit neuen Verfehlungen (Missgunst) reagiert. Mehr halte ich von einer bedingungslosen Existenzsicherung für Schwache und eine Regulierung der Märkte für die Starken. Damit Scheitern zur Aufgabe statt zum Makel wird und Gier nicht zur Belastung Dritter wird.