Globaler Finanzmarkt: Lösbare Liquiditätskrise, globale Schuldenkonferenz oder finanzielles Armageddon?

Facing a global financial Armageddon?
Wir treiben einem globalen Armageddon der Finanzmärkte entgegen.

Eigentlich sollte man pathetische Worte in einer rationalen Analyse meiden. Den Weltuntergang, Armageddon, an die Wand zu malen, gehört eigentlich nicht zu meinem Repertoire der ökonomischen Finanzmarktanalyse. Allerdings sind die Zeiten derzeit dramatisch und der Eindruck ist nicht von der Hand zu weisen, dass erneut die Öffentlichkeit einschließlich der Experten und Regierungs- und Zentralbankchefs die Lage schön reden wollen. Das ist der sichere Weg in den Abgrund.

Den Splitter, der im Auge deines Bruders ist, den siehst du; aber den Balken, der in deinem Auge ist, den siehst du nicht.

Da wir schon einmal bei den Bibelsprüchen oder den Apokryphen sind, ist das obige Zitat durchaus bemerkenswert. Angewandt auf die derzeitige Situation lautet dies, dass in der Regel immer die anderen diejenigen sind, die Schuld an der Misere tragen. Bei der Subprimekrise waren es die Europäer, die auf die USA zeigten und ihnen ihre Versagen vorwarfen. Jetzt dreht sich die Situation um. Jetzt zeigen die USA auf Europa und verweisen auf die miserablen Staatsfinanzen, die den Staatsbankrott herbeiführen. Statt vor der eigenen Tür zu kehren, werden die Fehler bzw. Defizite der anderen lauthals angeprangert und über die eigenen schweigt man diskret.

Dieses Schwarze-Peter-Spiel wird in den globalen Finanzkollaps führen. Schon bei der Lehmann-Pleite glaubten zu viele, dass es sie nicht betreffen würde. Am Ende entdeckten dann diejenigen, die sich zuvor klammheimlich über die Lehmann-Pleite gefreut hatten, dass es sie indirekt doch und zwar massiv betraf. Jetzt wird zunächst das Griechenland-Spiel inszeniert. Griechenland ist pleite und alle wissen es. Allerdings wundert man sich, dass die USA insbesondere aber auch die Asiaten glauben, sie würden davon nicht betroffen sein. Die Panik an der Wallstreet in der letzten Woche spricht eine andere Sprache. Für zu viele steht zu viel auf dem Spiel und die Nerven liegen blank. Ein Computerfehler oder war es ein Fehleingabe können innerhalb von Minuten die Finanzmärkte weltweit erzittern lassen. Was lehrt uns das?

You can’t teach an old dog new tricks

Die globalen Finanzmärkte haben sich in den zurückliegenden Jahrzehnten zu einer alles beherrschenden Hydra entwickelt. Das Mantra der Spekulanten und Finanzmarktjongleure lautet: Der Markt und der Markt hat immer Recht. Dabei hätte die globale Finanzmarktkrise längst allen klar machen müssen, dass es offenbar einige grundlegende Systemfehler gibt, die korrigiert werden müssen, um einen Systemkollaps aufzuhalten. Trotzdem dies eigentlich alle hätten begreifen müssen, wird trotzdem diese Lage geleugnet. Man lügt sich ununterbrochen in die Tasche, dass es ja mit bailouts und einer Flutung mit Liquidität der Finanzmärkte durch die Zentralbanken gelingen könnte, die globale Finanzkrise zu überwinden. Dabei entspricht diese Strategie einer, als ob man Feuer damit löschen könnte, in dem man Öl ins Feuer gießt.

Die Krise hat ihren Ausgangspunkt in einer Überliquidität der globalen Finanzmärkte. Diese entstand durch endogene Geldschöpfung mit Hilfe neuer Finanzmarktinnovationen wie beispielsweise Verbriefungen, die scheinbar das Insolvenzrisiko kontrollierbar machen sollten. Dies hat sich – wir wissen es jetzt – als Illusion erwiesen. Trotzdem sind einschneidende Maßnahmen unterblieben. Im Gegenteil man hat sich darum bemüht, diese unsicheren Finanzprodukte wieder verstärkt am Markt anzubieten, da sonst die Liquidität der globalen Finanzmärkte Schaden nehmen würde. Um eine globale Kreditklemme zu verhindern wurden Bailouts der großen Investmentbanken zu Lasten der Steuerzahler inszeniert. Warnungen, dass dies die Finanzierungsmöglichkeiten der Staaten überfordern würde, wurden geflissentlich ignoriert. Der Lender of last resort, lautete, das Mantra der Ökonomen. Jetzt sollen insbesondere Deutschland zum lender-of-last-resort der Eurozone avancieren. Jetzt sollen Eurobonds die Finanzkrise der PIIGS der Eurozone verhindern. Are you kidding?

Mit 70 Mrd. Euro soll der Finanzkollaps der Länder, die das Mehrfache an Staatsschulden in den kommenden Jahren refinanzieren müssen, aufgehalten werden. Wenn Griechenland bereits für drei Jahre eine Finanzhilfe von über 110 Milliarden Euro erfordert, wie viel würde ein bailout von Spanien oder Italien erfordern? Mit 70 Milliarden wäre es jedenfalls nicht getan. Das wissen auch die Spekulanten weltweit. Es ist der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. Spätestens wenn Portugal und Irland die weiße Fahne hissen müssen und die Euroländer und den IWF um Hilfe bitten, fällt der Boden aus dem Fass. Spanien und Italien können mit keinem Bailout rechnen, was immer Merkel & Co auch in der Öffentlichkeit erklären werden. Das ist schlicht nicht finanzierbar. Also wird die Politik der sequentiellen bailouts über kurz oder lang scheitern. Es gibt keinen lender-of-last-resort für eine globale Schuldenkrise. Was ist also zu tun?

Wir brauchen eine Schuldenkonferenz

Bisher beruht die ganze Politik der Stabilisierung der Finanzkrise darauf, dass es nur eine Liquiditätskrise sei, die durch entsprechende Bereitstellung von Liquidität überwunden werden kann. Die Schuldner zahlen am Ende die gesamte oder doch den Großteil der ausstehenden Summe an die Gläubiger zurück. Dieser Irrglaube hat schon einmal die Politik der Weltbank gegenüber den heavily indepted countries über Jahre gelähmt. Es brauchte jede Menge Überzeugungskraft, den Gläubigerländern klar zu machen, dass ihr Geld futsch ist und die Schulden gestrichen werden müssen.

Auch jetzt glauben viele bzw. zu viele noch, dass die Forderungen gegenüber zahlreichen privaten und öffentlichen Schuldnern auf lange Sicht eingetrieben werden könnten. Mithin wird die Schuldenlawine von Jahr zu Jahr größer. Die Politik ist nur darauf ausgerichtet, die laufenden Zinszahlungen und Tilgungsraten herzustellen und die Illusion der Schuldentilgung am Leben zu erhalten. Das Menetekel der wachsenden Staatsverschuldung, aber auch der Verschuldung der privaten Haushalte, steht schon lange an die Wand geschrieben. Nur niemand will sie ernsthaft zu Kenntnis nehmen. Die Konsequenz: Am Ende platzt die globale Schuldenblase unkontrolliert.

Statt einer Lehmann-Pleite droht dann die globale Schuldenpleite, weil wenn immer mehr Schuldner ihre Schulden nicht mehr bedienen können oder wollen, das System zwangsläufig in einer Kettenreaktion kollabiert. Mithin hilft nur ein Schuldenerlass, der realistische Schuldverhältnisse wieder herstellt. Im Prinzip muss die jeweilige Forderung bzw. Verbindlichkeit durch einen Faktor x dividiert werden, der ein realistisches Verhältnis zwischen Zahlungsfähigkeit der Schuldners wieder herstellt. Die Schuldenüberwälzung löst dieses Problem nicht.

Selbstverständlich wirft der Schuldenerlass auch erheblich Probleme auf, da die Schuldner daraus die falsche Konsequenz ziehen können – wie dies ja auch die Banken zuletzt getan haben – dass man am Ende ja mit Gewinn aus der Sache hervorgegangen ist. Mithin muss zum Schuldenerlass auch eine neue Finanzarchitektur kommen, die die Verschuldungsmöglichkeit bzw. die Kreditvergabe wesentlich strenger reguliert, so dass eine Wiederholung möglichst ausgeschlossen ist.

Derzeit ist ein solcher Denkansatz in den führenden Kreisen der Politik und Finanzwelt nicht erkennbar. Mithin gilt: Wir treiben einem globalen Armageddon der Finanzmärkte entgegen. Jeder glaubt, er könne sich von den Folgen solcher Krisen in einigen Ländern und bei einzelnen Gläubigern bzw. Schuldnern schützen. Diese Illusion wird sich am Ende als solche auch dem letzten Traumtänzer auf dieser Welt erweisen. Wir sitzen am Ende alle in einem Boot und werden wie bei der globalen Umweltkatastrophe gemeinsam damit konfrontiert werden. Leider fehlt hier die Einsicht.

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Mit freundlichen Grüßen

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