Gut leben statt mehr haben - Mein Vorschlag für eine Geld-, Finanz- und Wirtschaftsordnung 2.0

Unser heutiges System der Wohlstandsmehrung ist die arbeitsteilige (soziale) Marktwirtschaft. Unternehmen bedürfen Kredite/Einlagen zur Finanzierung der Produktion bis der Konsument zahlt. Kredite sind also neben Ressourcen, Arbeitskraft und Innovation Voraussetzung für die Produktion. Kredite (Bankgeld) sind Geldschöpfung der Geschäftsbanken, so wie Bargeld Geldschöpfung durch Zentralbanken darstellt. Das Schuldenmachen also systemnotwendig. Der Kredit ist der Motor, das Produktionsergebnis sind Güter und Dienstleistungen, Abfälle und Emissionen. 

Die Arbeitsteiligkeit und die (fast) unbegrenzte (überwiegend private) Geldschöpfung führen zu dem heutigen exponentiell wachsenden Produktionssystem in einer (teils) begrenzten Welt. Das kann nicht auf Dauer gut gehen. Die Frage ist also nicht ob wir ein Problem kriegen, sondern wann – und nicht, ob wir umsteuern müssen, sondern ob wir aus Einsicht oder Katastrophen lernen (Finanzkrisen, Wirtschaftskrisen, Atomkrise, Glaubwürdigkeitskrisen, ...). 

Aus systemimmanten Gründen (siehe Prof. Binswanger: Wachstumsspirale) braucht diese Wirtschaftsordnung ein weltweit durchschnittliches Wachstum von 1,8 % oder es bricht zusammen. Man kann nicht einfach abschalten oder es zu einer Kreislaufwirtschaft organisieren. Schon das Vermeiden von Krisen (Finanzen, Ressourcen, Absatz...) ist (typischerweise) Illusion – noch dazu, wenn demokratisch verfasste Regulierung nicht (mehr) stattfindet. Man könnte also sagen, dass „die Exekutive zwar an der Regierung, aber nicht mehr an der Macht ist“ und damit die Demokratie unterlaufen wird. 

Also was tun? Schritt 1 ist m.E. das das wichtigste volkswirtschaftliche Steuerungsinstrument, die Geldmenge (Bar- und Bankgeld), wieder vollständig unter demokratische Kontrolle zu bekommen, also die Geldschöpfung der Banken (Kredite aus Giralgeld) in die Hand der Bundesbank geben (Aufbau einer Monetative neben Legislative, Judikative und Exekutive. Das ist aber nur hinreichend wirksam, wenn das spekulative Bankgeschäft von der Kreditwirtschaft (wieder) getrennt wird und unregulierte Spekulation verboten oder "umzäunt" wird, d.h. lizenzloser Börsenhandel (z.B. bestimmte OTC-Geschäfte), bestimmte Finanzinstrumente (Kreditvergabe ohne Risiko wie CDS-Zertifikate) oder bestimmte Hedgefonds verbieten oder als "Spielkasino" betreiben, in der den Gewinnen entsprechende Verluste gegenüber stehen und keine Pyramidenspiele a la Madoff oder verantwortungslose Kreditvergaben oder Schuldenmachen möglich sind. 

Und nun? Mehr Marktwirtschaft oder mehr Staatswirtschaft? Oder was? Der Kommunismus hat gezeigt, das "Plan" nicht zu hinreichender Wertschöpfung und zu Repressalien führt. Demgegenüber z.B. führt „Markt“ ohne Wettbewerb (z.B. Berliner Wasserbetriebe) zu ungerechten Monopolgewinnen. Ein freier Markt ohne Regulierung ebenso. Also: solange Systeme einer Macht- oder Geldakkumulation bedürfen oder dieses bewirken, ist ihr Nutzen zunächst Wohlstand mehrend und zuletzt selbst zerstörerend. 

Zu erkennen ist, dass Kommunismus zu Machtanhäufung und Korruption führt, Kapitalismus zu Geldanhäufung und Rücksichtslosigkeit. Also zu Autokratien wenn nicht Diktaturen. 

Der „Schlüssel zum Glück“ sind Demokratie, Menschenrechte und Menschenpflichten, Bildung statt Beliebigkeit sowie Humanismus statt Fundamentalismus. 

Ich will Demokratie, Menschenrechte- und Menschenpflichten, eine „gut ausgebaute Strasse“ nachhaltiger Fremdversorgungswirtschaft mit „Leitplanken „demokratischer und ethischee“ „Verkehrskontrollen“. Eine - nennen wir sie faire ökosoziale Marktwirtschaft - ist nicht Gewinn , sondern Sinn maximierend, d.h. wirft nicht nur eine ökonomische, sondern auch eine ökologische wie auch soziale Rendite ab, und soll so zu mehr Verteilungsgerechtigkeit auch hinsichtlich zukünftiger Generationen führen – wenn nicht eine unregulierte Geldschöpfung (Voraussetzung für Wachstum, genauso wie Innovation und Ressourcen) und insbesondere spekulative Finanzwirtschaft außerhalb demokratischer Kontrolle dieses realwirtschaftliche und soziale Bemühen zunichte machen. (Hinweis: Demokratiekontrolle ist weder staatliche, noch private, noch planwirtschaftliche Kontrolle) Es geht also nicht um Plan oder Markt, sondern um eine Anpassung und Regulierung eines Geld-, Finanz- und Wirtschaftsystems, das derzeit immer mehr zu einer Wohlstandsvernichtung statt einer Wohlstandsmehrung führt (statistisch belegbar, z.B. Leben 22% der Deutschen prekär) 

„Nichts darf als selbstverständlich verstanden werden. Nur indem es sich verändert, bleibt das Wahre wahr, das Gute gut, das Sinnvolle sinnvoll und das Nützliche nützlich.“ (Autor unbekannt) 

Es geht nicht um mehr oder weniger Freiheit oder Besitz, sondern um einen Wechsel der Verpflichtungen. Es geht um Selbstveredelung und Fremdversorgung statt Selbstversorgung und Fremdveredelung. 

Es geht um gut leben statt mehr haben.