Hier missachtet das Kirchenrecht die Menschen- und Bürgerrechte einer Mitarbeiterin


Anfang der weitergeleiteten E‑Mail:

Von: "Sven Lueders (Humanistische Union)" <info@humanistische-union.de>
Datum: 2. Dezember 2011 11:10:05 MEZ
An: herbert.haberl@innovativemitte.de
Betreff: [HU-PRESSE] Menschenrechte auch für Dienerinnen und Diener des Herrn - kein Berufsverbot für Carmen Häcker

Pressemitteilung der Bürgerrechtsorganisation Humanistische Union,
vereinigt mit Gustav Heinemann-Initiative
Berlin, 2.12.2011


Menschenrechte auch für Dienerinnen und Diener des Herrn. Kein
Berufsverbot für Carmen Häcker!


Die Bürgerrechtsorganisation Humanistische Union (HU) appelliert in einem
Schreiben an die Evangelische Landeskirche in Württemberg, der Vikarin
Carmen Häcker nicht den Abschluss ihrer theologischen Ausbildung zu
verweigern. Die Kirchenleitung hatte Frau Häcker kürzlich vom Dienst
suspendiert und ihr zum Jahresende gekündigt, nachdem sie einen Mann
islamischen Glaubens heiratete. Sie begründete die Maßnahme mit einer
Vorschrift des württembergischen Pfarrergesetzes, wonach auch der
Ehegatte eines Pfarrers der evangelischen Kirche angehören muss.

Die Humanistische Union sieht durch die rigide Entscheidungspraxis der
Landeskirche deren Glaubwürdigkeit gefährdet. Durch die Suspendierung
ihres Ausbildungsverhältnisses werden die Freiheit der Eheschließung
(Art. 6 Abs. 1 Grundgesetz), die Freiheit ihrer Berufswahl und der zu
seiner Ausübung nötigen Qualifikation (Art. 12 Abs. 1 Grundgesetz); sowie
die Achtung ihres Privat- und Familienlebens (Art. 8 Abs. 1 Europäische
Menschenrechtskonvention) von Frau Häcker verletzt.
Religionsgesellschaften dürfen ihre Angelegenheiten eigenverantwortlich
regeln, dennoch sollte der kirchliche Umgang mit den eigenen
Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern diesen menschenrechtlichen Maßstäben
folgen. Die HU hält es daher unter rechtsstaatlichen wie humanitären
Gesichtspunkten für geboten, dass Frau Häcker die Gelegenheit erhält, die
begonnene Ausbildung zum Abschluss zu bringen.

Die Humanistische Union weist in ihrem Schreiben ferner darauf hin, dass
nach Kirchenrecht selbst Pfarrer von dem Gebot der konfessionellen
Bindung ihrer Ehepartner befreit werden können. Gleiches solle auch für
eine Vikarin gelten, die noch nicht zum Pfarramt bestellt wurde. In
anderen Landeskirchen gebe es Beispiele für Ehen von Pfarrerinnen oder
Pfarrern, deren Ehepartner einer anderen Religion angehören. Es gebe
keine konkreten Vorwürfe, dass Frau Häcker ihren kirchlichen Dienst nicht
so versehen habe, wie es der kirchliche Arbeitgeber erwarten könne. Die
HU fordert deshalb die Landeskirche auf, Frau Häcker von der auch
innerkirchlich umstrittenen Bestimmung des Pfarrgesetzes zu befreien. Mit
der Versagung des zweiten theologischen Examens würde die
württembergische Kirche Frau Häcker die Chance nehmen, in einer anderen
Landeskirche ihren Beruf ausüben zu können.


Für Rückfragen steht Ihnen der Geschäftsführer der Humanistischen Union,
Sven Lüders, unter Tel. 030 / 204 502 56 zur Verfügung. Das Schreiben an
die Evangelische Landeskirche in Württemberg ist in der Online-Fassung
dieser Pressemitteilung veröffentlicht unter: http://www.humanistische-
union.de/presse/2011/.

Hintergrundinformationen zum Thema:
Das kirchliche Sonderarbeitsrecht war Gegenstand der 1. Berliner
Gespräche über das Verhältnis von Staat, Religion und Weltanschauung.
Eine Dokumentation dieser Tagung ist erschienen als: Peter Hanau / Jürgen
Kühling (Hg.), Selbstbestimmung der Kirchen und Bürgerrechte. Nomos,
Baden-Baden 2004.

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Humanistische Union e.V.
vereinigt mit Gustav Heinemann-Initiative
- Bundesgeschäftsstelle -
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10405 Berlin
Tel: 030 - 204 502 56
Fax: 030 - 204 502 57