Ich schlage vor, dass wir eine "zweite Aufklärung" starten - den Ausgang des Menschen aus der selbstverschuldeten Rücksichtslosigkeit .

Was mich antreibt, ist die Abkehr vom Glauben an eine Wirtschaft bei der Krisen die Ausnahme und eine Wirtschaft in der Rücksichtnahme üblich sind. Und die Erkenntnis, dass die westlichen Gesellschaften nach 300 Jahren Kolonialisierung, Industrialisierung, kalten und warmen (Wirtschafts-) kriegen, recht freier Marktwirtschaft, auch großen materiellen Wohlstandsgewinnen wie nie in der Geschichte und heute ungezügelter Finanzwirtschaft vor einem Scherbenhaufen aus Schulden, Naturzerstörung und unerträglichen Ungleichgewichten an Macht und Geld sowie Überforderung der Gemeingüter stehen.

Ein weiterer kompetitiver/protektionistischer Umgang mit den menschlichen und natürlichen Ressourcen wird sehr wahrscheinlich zu Stagflation, einem Dahinsiechen führen oder sogar – wie oft in der Geschichte - zu Auseinandersetzungen und statt Ausbau des Wohlstands und der Lebensqualität muss der Wiederaufbau für Wachstum sorgen. Ich frage mich, ob diesmal die Menschheit aus Einsicht statt aus Katastrophen lernt. 

Ich wünsche mir eine Gesellschaft, die nicht Ideologien verfolgt (Wahrheitslehren, Kommunismus, Kapitalismus, Paternalismus, ...) sondern lebensnah praktizierende, rücksichtsvoll denkende und (weltweit) verantwortlich handelnde Wertegemeinschaften entwickelt. Es braucht eine neue Sicht auf und Kombination von Geschäftssinn, Gemeinsinn und Natursinn.

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Ich schlage vor, dass wir eine "zweite Aufklärung" starten - den Ausgang des Menschen aus der selbstverschuldeten Rücksichtslosigkeit 

 

Die Mehrheit weiß heute, dass eine den Menschen schonende und die Natur bewahrende Wirtschaft zu gestalten ist. Aber wie? Die Politik findet hier heute (noch) kein schlüssiges Konzept, die heutige Philosophie denkt darüber kaum oder nicht nach. Wir spüren, was zu tun ist, aber wie umsetzen? - das ist die Frage.

 

Aus der Geschichte können wir lernen, das staatliche Machtausübung ohne Toleranz (Autokratien, Diktaturen) ins Elend führen. Der Widerstand dagegen wurde zunächst mit Gewalt gegen Menschen oder Gemeinschaften (Hexenverbrennungen, Glaubenskriege) beantwortet.

 

Die philosophische Lösung war die Aufklärung, sprich der Ausgang des Menschen aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit. Die politische Lösung war Trennung von Staat und Kirche, später dann die Gewaltenteilung.

 

Aus der Geschichte können wir lernen, das wirtschaftliche Machtausübung ohne Toleranz (Kommunismus, Kapitalismus) ins Elend führen. Der Widerstand dagegen wurde zunächst mit Gewalt gegen Menschen oder Staaten (Verfolgung, Weltkriege) beantwortet.

 

Die politische Lösung einer Machtausübung mit Toleranz nennen wir heute Demokratie, Rechtsstaat, Menschenrechte und soziale Marktwirtschaft. Die philosophische Lösung ist immer noch Gleiche: Aufklärung, heute Bildung genannt - der Ausgang des Menschen aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit.

 

Und heute erkennen wir, dass uns die Extreme persönlichen, wirtschaftlichen oder staatlichen Wohlstandsaufbau ohne genügend Rücksichtnahme auf das Gemeinwohl und die Gemeingüter uns Geizhälse, Gierhälse und Blender gebracht haben und uns diese immer mehr ins Elend stürzen:

  • Geizhälse wie "Geiz-ist-geil"-Haltung oder dem Anderen keine Zeit für Orientierung geben oder seine Meinung nicht gelten lassen können (Intoleranz, Egozentrik, Glückssuche ohne Sinngebung)
  • Gierhälse wie internationale Finanzoptimierer oder wie viele in der Finanzwirtschaft, die das Ich-Wohl über das Gemeinwohl stellen, mit der Folge einer Finanz- und jetzt Wirtschaftskrise, morgen Vertrauenskrise, übermorgen vielleicht wieder bürgerliche und staatliche Auseinandersetzungen.
  • Blender, die uns mit dem Glauben an Arbeit und Wohlstand in allen Lebenslagen den Blick auf die Zunahme von Unbehagen, psychischen Krankheiten und von ungeschützt Arbeitenden und Arbeitslosen (Prekariat) und damit auf mögliche Auswege aus den Problemen verstellen.

Der Homo economicus hat in über 300 Jahren Industrialisierung und Globalisierung den Wohlstand der Nationen erarbeitet. Aber dabei auch die menschlichen und natürlichen Ressourcen zu Lasten heutiger und zukünftiger Generationen in nicht mehr vertretbarer Weise (aus)genutzt, denn überwiegend gewann dabei der Geschäftssinn des Stärkeren, nicht der Gemeinsinn des Klügeren, des Faireren.

 

Der Widerstand dagegen heißt momentan Rückzug ins Private, Sinnsuche, Politikverdrossenheit, Protest, Terror.

 

Die politische Antwort ist unklar. Man ist uneins, wie man „die Geister, die man rief“ im Zaum halten kann. Es fehlt an der einenden Vision. Man wählt das kleinere Übel. Die noch beste Antwort bezeichnet man oft als sozial-ökologische Marktwirtschaft.

 

Und was macht die Philosophie? Nichts!

 

Ich schlage vor, dass wir eine "zweite Aufklärung" starten - den Ausgang des Menschen aus der selbstverschuldeten Rücksichtslosigkeit. Gestalten wir den Homo empathicus. Meine gesellschaftliche Initiative dazu nenne ich "Innovative Mitte". 

 

Mein Wunsch ist, dass die Menschen diesmal eine Lösung zur Schonung der Menschen und zur Bewahrung der Natur finden, bevor Gemeinschaften die Antwort wieder in Intoleranz und Gewalt finden.

 

Wie sind eine freie Gesellschaft und Wirtschaft beschaffen, die Menschen in allen Lebenslagen und Natur in seiner Vielfalt wertschätzt? Was denkt ihr?

 

Die Aufklärung hat uns von Machtausübung ohne Toleranz befreit. Nun ist es an der Zeit, das eine "zweite Aufklärung" uns vom Wohlstand ohne Rücksicht auf Mensch und Natur befreit.

 

Wenn alles gut geht, wird eine "zweite Aufklärung" uns mit der bisherigen Geschichte und dessen Gewinnern und Verlierern sowie der Natur versöhnen und uns Wege zeigen, mit beiden zukünftig schonend umzugehen, bevor wieder Gewalt gegen Menschen und Gesellschaften eine "Vorklärung" der Verhältnisse mit sich bringen. 

 

Es wäre wunderbar, wenn wir diesmal aus Einsicht und nicht aus Katastrophen lernen.

 

Ich bitte um den Dialog, das gemeinsame Denken, ihr persönliches Handeln und Ihre Unterstützung.

 

Herbert Haberl

Gemeinsam denken - persönlich handeln