Laut IAB sind 15,7 Mio Menschen der ca. 40 Mio Erwerbstätigen in prekären Arbeitsverhältnissen

Joachim Möller, Chef des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), der Denkfabrik der Arbeitsagentur. Unsicherheit, mangelnde Aufstiegschancen und miese Bezahlung prägen den Alltag von Millionen – Fachleute sprechen von „atypischer Beschäftigung“.

Beispiel Leiharbeit: Mittlerweile sind mehr als 800 000 Menschen als geliehene Kräfte tätig – 2004 waren es erst 140 000. Ein Großteil des aktuellen Jobaufbaus geht auf ihr Konto, obwohl die Bezahlung im Schnitt um ein Fünftel schlechter ist. Beispiel Minijobs: 1999 hatten nur 3,7 Millionen Bürger ausschließlich einen 400-Euro-Job, heute sind es 4,8 Millionen. Beispiel Aufstocker: Die Zahl derer, die trotz Vollzeitjob nicht von ihrer Arbeit leben können und zusätzlich Hilfe vom Staat brauchen, liegt mittlerweile bei 1,4 Millionen. Beispiel Teilzeit: Ihre Zahl hat sich in den letzten 15 Jahren auf nun 8,7 Millionen verdoppelt – unfreiwillig, denn die Hälfte von ihnen würde gerne länger arbeiten, wie eine IAB-Umfrage ergab. Die Arbeitswelt ist unsicheres Terrain geworden – jedes zweite neue Beschäftigungsverhältnis ist heute befristet, nur die Hälfte davon wird zu einem Dauer-Job. Ein höchst ungerechter Zustand, denn die Risiken der atypischen Stellen, weiß IAB-Chef Möller, „konzentrieren sich auf junge Menschen, gering Qualifizierte und Frauen“.