Sind Finanz- und Wirtschaftskrisen in der Marktwirtschaft normal?

Die zentrale Frage ist, ob in der Ökonomie/Wirtschaft Finanzkrisen und in Folge davon Wirtschaftskrisen normal sind, also systemimmanent. 

Oder entstehen Sie "von außen" durch Naturkatastrophen und menschlicher Fehleinschätzung/Fehlhandlungen. 

Im zweiten Fall hätten wir den menschlichen Missbrauch zu bekämpfen (Monopole, Korruption, Betrug) und die natürlichen "Störungen" (Ernteausfälle, Klimaschäden, ...) zu ertragen, also eine an sich funktionierende Wirtschaft möglichst sinnvoll zu regulieren und zu schützen. Daran arbeitet die derzeitige Politik (Basel3, MiFID). 

Im ersten Fall sollten wir uns schleunigst daran machen, ein besseres System zu machen. Denn das was wir haben, ist von Menschen gemacht und durch diese änderbar. 

Es gibt für beide Ideen gute Argumente. Ich sehe aber die systemimmanenten Schwächen letztlich in der Überzahl bzw. Schwerwiegender. 

Als besonders große Schwäche sehe ich, das Geld als unverzichtbares Tausch- und Wertaufbewahrungsmittel einer arbeitsteiligen Gesellschaft "klammheimlich" durch das seit 500 Jahren praktitionierte "fraktionale Banking" (möglichst ohne Reglementierung der privaten Geldschöpfung) und den elektronischen Austausch von Kreditgeldern (eBanking) in einer Höhe entstand, dessen Wert keinen Gegenwert mehr in der "Realwirtschaft", in der Summe aller Wirtschaftsleistungen und materieller Realvermögen hat. 

Der Wert der 2010 weltweit gehandelten Aktien und Bonds betrug 61 Billionen Euro (B€), außerbörslich gehandelte Finanzderivate 424 B€, das Volumen der Devisengeschäfte 674 B€ (Zahlen aus 2010 lt. Handelsblatt). Damit betragen die Summe der Derivate- und Währungs-Spekulationsgeschäfte 1098 Billionen Euro oder eine Trillion Euro oder eine Quatrillion Dollar.

Das sind 25mal mehr als die Wirtschaftsleistung aller Menschen dieser Erde: 44 B€. Der „global financial footprint“, der globale finanzielle Fußabdruck, ist also rund 25mal größer als die Menschheit braucht, um Wohlstand und Frieden zu erzeugen.

Das wir das zugelassen haben, ist unverantwortlich, weil es letztlich nur durch Blendwerk, Rücksichtslosigkeit und Betrug aufrechtzuerhalten ist und sich nur durch Geldentwertung oder Wirtschaftswachstum wieder angleichen lässt. Doch das eine zerstört unser aller finanzielle und letzteres unser aller natürliche Lebensgrundlagen. 

Mein Vorschlag ist die Abschaffung des fraktionalen Bankings und die Einführung der Monetative (siehe auch www.monetative.de). 

Und die weitere Optimierung der Regulierung zur Vermeidung und Schadensminderung bei systemfremden Einflüssen wie menschliches Fehlhandeln und natürliche Einflüsse. 

MfG Herbert Haberl