Weltfinanzsystem stand im Mai kurz vor dem Zusammenbruch | Sein Redaktion

Das erfährt man immer erst hinterher: Während Angela Merkel gerade das Ende der Krise verkündet, zeichnet eine Analyse der EZB ein ganz anderes Bild: Das Weltfinanzsystem stand Anfang Mai kurz vor der Apokalypse. Mit den Anleihen-, Interbanken-, Aktien- und Devisenmärkten habe gleich vier Säulen der Weltwirtschaft der Kollaps gedroht, heißt es in dem Bericht.


Schlimmer als beim Lehmann-Crash

Die Situation sei dabei ernster gewesen als beim Lehmann-Crash in 2008. Die gefährliche Situation sei der Grund gewesen, warum die EZB ihre eigenen Regeln gebrochen und Griechenland durch den Aufkauf der mittlerweile auf Ramsch-Status abgestürzten Staatsanleihen vor dem Zusammenbruch gerettet habe.

Der Bericht ist für die sonst eher aufs Schönreden spezialisierte EZB ungewohnt dramatisch. Bedenklich sei vor allem "die Geschwindigkeit, mit der die Stimmung umschlug" und der drohende Zusammenbruch von "zwei oder mehr großen Banken des Eurogebiets" und das fehlende Vertrauen im Interbankenmarkt.


Gefahr nur aufgeschoben

Beseitigt ist die Gefahr dabei weder in Europa noch in den USA - Hilfspakete und Staatshilfen sind schließlich alles andere als nachhaltige Maßnahmen. Großanleger Soros rief denn auch ganz im Kontrast zum Optimismus unserer Kanzlerin die zweite Phase der Krise aus: "Der Kollaps des Finanzsystems ist real und alles andere als vorbei, wir sind gerade in die zweite Phase der Krise eingetreten", sagte er auf einer Konferenz in Wien.

Auch die Finanzanalysten von Leap2020 zeichnen in ihrem aktuellen Bericht ein düsteres Szenario:

"Das Tagesgeschehen bestätigt jeden Tag erneut, dass die weltweite umfassende Krise sich sehr wohl in der Phase des Zerfalls der Welt - und öffentlichen Ordnung befindet. Selbst die großen Medien beginnen, wenn auch noch sehr verhalten und zaghaft, die Ereignisse als das zu kommentieren, was sie sind, nämlich historische Umbrüche. Jedem der vier „Single Point of Failure" der Weltordnung, nämlich der Außenpolitik, den Finanzmärkten, der Wirtschaft und dem sozialen Frieden droht der Kollaps und damit der Kollaps des gesamten Systems."

Als besonders bedenklich sehen sie die steigende Verarmung der Bevölkerung in den USA:

"Alle und alles konzentriert sich auf die Defizite des Bundeshaushalts. Aber die Verarmung der großen Mehrheit der Menschen in Amerika und die Defizite der Bundeshaushalte sind lediglich die zwei Seiten einer Medaille."

Die reale Arbeitslosigkeit in den USA bewegt sich laut Quellen von Leap2020 bei 20%, noch nie waren so viele Amerikaner auf Lebensmittelmarken der US-Regierung angewiesen. Und trotzdem wird der Regierung nichts anderes übrig bleiben als öffentliche Ausgaben zu kürzen und die Steuern zu erhöhen. Eine Situation, die auch in den meisten europäischen Ländern nicht anders aussieht.


Von der Wirtschaftskrise zur politischen Krise?

Der Analyst Gordon Long sieht die aktuelle Situation ebenfalls als Eintritt in eine neue Phase. Nach seiner Ansicht entwickelt sich die Wirtschaftskrise nun zu einer politischen Krise, deren Endpunkte ein Zusammenbruch der Währungen und der Übergang ein repressives politisches System mit drastischen politischen Schritten sind. Die Rettung Griechenlands auf Kosten von Steuerzahlern in Europa und die Entlassung von 150.000 Lehrern in einem Jahr in den USA sieht er als erste Anzeichen einer solchen Entwicklung. Mit dem Argument der Alternativlosigkeit werden nun zukünftig immer mehr Gesetze und Maßnahmen beschlossen werden, welche in der Bevölkerung auf wenig Gegenliebe stoßen werden.

 

Probleme sind Möglichkeiten

So beunruhigend solche Aussichten sein mögen, so viele Chancen bieten sie auch. Immer mehr Menschen erkennen, dass das derzeitige Wirtschafts- und Gesellschaftsparadigma nicht länger haltbar ist, und machen sich auf dis Suche nach Alternativen. Das aktuelle System, das bisher in schlafwandlerischer Gefügigkeit kaum hinterfragt wurde, erscheint zunehmend als völlige Fehlkonstruktion und immer mehr Menschen stellen sich die Sinnfrage und suchen ihre eigenen Antworten auf die Herausforderungen unserer Zeit. Noch nie war die Chance, große Teile der Bevölkerung für einen Wandel zu gewinnen so groß wie heute.

 

 

Und in Toronto geben die wichtigsten Staatslenker 800 Mio. für ein Treffen, das wahrscheinlich wieder keine global koordinierte Schulden- und Bankenregulierun bringt. Wann weicht die Wachstumsideologie endlich der globalen Verantwortung?