Wird der Faule und Unredliche durch ein bedingungsloses Grundeinkommen zum Normalfall?

Wird der Faule und Unredliche durch ein BGE zum Normalfall? Ist jedes Erwerbseinkommen sinnvoll? Gehen wir an einem BGE zugrunde? Hier ein paar Gedanken dazu:

  • Aus der Tatsache das es Missbrauch von Teamarbeit/Kollektiv gibt, kann ich nicht den Schluss ziehen, dass Teamarbeit/Kollektiv generell unproduktiver ist als die Summe von optimierenden Einzelleistern - wie sonst hätte es der Autoindustrie gut getan, Gruppenarbeit zu organisieren.
  • Aus der Beobachtung, das Teamarbeit öfter mal hilfreich ist, lässt sich nicht folgern, das dies immer der Fall ist, siehe z.B. den SZ-Artikel.
  • Aus der Tatsache, dass es im jetzigen Sozialsystem Missbrauch gibt, lässt sich nicht folgern, dass deswegen dieses Sozialsystem untauglich ist oder wollen wir die Freiheit dem Ziel der völligen Ausmerzung von Missbrauch opfern (Überwachungsstaat, Bürokratiemonster, Diskreditierung)
  • Aus der ziemlichen Gewissheit, dass es im BGE-System auch Missbrauch geben wird, kann man nicht folgern, dass die Idee generell untauglich ist, sondern vielmehr negative Rückkopplung organisieren, das heißt z.B. die Höhe des BGE an das Pro-Kopf-Einkommen zu folgern, das heißt wenn zu viele "sich in die soziale BGE-Hängematte legen", dass dann das BGE sinkt und sich somit selbst auf ein gesellschaftlich tragbares Niveau einpendelt (die Natur macht uns das ständig vor, nur der Mensch baut Systeme, die dem Zusammenbruch geweiht sind, weil er immer eine Idee als die selig machende ausmacht.
  • Aus der Tatsache, das jemand Hartz4 ist oder insolvent läßt sich nicht folgern, dass er ein fauler Sack oder ein unredlicher Mensch ist oder war.
  • Aus der Tatsache, dass jemand fleißig und produktiv ist und für seine Arbeit Geld bekommt, läßt sich nicht folgern, dass seine Arbeit sinnvoll ist, sonst wäre ja auch jeder KZ-Aufseher human, nur weil er seinen Job macht.
  • Wieso verzichten eigentlich Unternehmen auf 100% Qualitätssicherung, wenn es doch einerseits Sinn ergeben würde, aber nicht mehr finanzierbar oder verantwortbar wäre (Grenznutzen)
  • Wieso engagiert sich eigentlich jeder dritte Deutsche in Ehrenämtern, wenn es doch keine Kohle bringt? 
  • Wieso haben wir heute bereits mehr Menschen, die Transfereinkommen beziehen als diejenigen, die es durch Erwerbsarbeit finanzieren? Weil wir als Gesellschaft unsinnigerweise auch die wertschätzen, die ohne Einkommen arbeiten? (Familienmitglieder, Kreative, …)
  • Und wieso gibt es denn soviel Beispiele bedingungslosen Grundeinkommens, wenn denn die Idee generell nur dazu führt, das der Faule unbehelligt seiner Leidenschaft frönen kann?
  • IBM gibt Hochbegabten ein bedingungsloses Gehalt (Fellow-Programm)
  • Die bisherigen Piloten zum Grundeinkommen zeigen alles mögliche, nur keinen massiven Missbrauch
  • Der Adle gibt seit jeher den Abkömmlingen, die nicht an die Macht kommen, eine Apanage
  • Wieso gibt uns der Staat eigentlich das Geld wieder, das er als Steuer erhält, wo doch eine Steuer keine Pflicht zur Gegenleistung und keine Zweckbindung des Gemeinwesens darstellt?
  • Wieso bezahlen wir eine zweckfreie Forschung, wo doch darin die meiste Arbeit ohne gesellschaftlichen Nutzen ist? Ich denke, weil wir nicht die Menge an Aufwand bewerten, sondern das was raus kommt und zu einem gewissen Grad Missbrauch oder Fehleinschätzung einzukalkulieren haben, um an das sinnvolle Ergebnis heranzukommen
  • usw usw. 

Wieso sind nicht alle die arbeiten oder vermögend sind, edel, hilfreich und gut? Wieso haben nicht alle die edel, hilfreich und gut sind, ein Einkommen? Ist die Welt ungerecht oder sind wir einfach noch nicht human und schlau genug, eine bessere Welt zu gestalten?

Wieso machen wir so gerne eine Idee zur "heiligen Kuh" anstatt wie die Natur aus der Vielfalt und Geduld zu schöpfen? In der BGE-Szene gibt es das "heilige Kuh-Denken" auch, sogar ziemlich häufig, z.B. wenn jemand ohne Rücksicht auf die Lebenswirklichkeit 1500 Euro BGE fordert (Unredlich) oder wenn Parteien ein BGE nahe/unter dem Existenzminimum fordern (Zynisch).

Wir brauchen auch in einem BGE positive und negative Rückkopplungsmechanismen wie z.B. soziale Rückkopplung (wie z.B. Mitbestimmung oder Konsensdemokratie oder "dynamisches BGE in Höhe von 25% der Pro-Kopf-Einkommens") um einerseits bessere Ergebnisse, wie z.B. eine armutsfreie Gesellschaft, zu erzielen ohne dabei diejenigen, die das möglich machen, als Dumme dastehen zu lassen oder das Ganze in einem Schuldenberg versinken zu lassen. 

In dem Sinne sollten wir es auch Ernst nehmen, wenn ein Hartz4 Empfänger fleißig ehrenamtlich tätig ist und sei es als Kritiker des heutigen ALG2-Systems, siehe Brandbrief eines Bürgers. Oder es aushalten können, dass nicht alle so ticken, wie wir es gerne hätten oder so edel, hilfreich und gut sind, wie wir es angeblich sind. 

Ich kann die Sorgen um die Wirkung eines BGE gut verstehen, empfinde jedoch die von manchen vorgetragenen Kritikpunkte als voreilig und mehr von individueller Anschauung und tradierten Denkmustern als von genereller Beobachtung und Überlegung geprägt. Ich hatte das BGE zunächst abgelehnt, und erst Zugang gefunden, als ich mich mit dem Begriff Arbeit, der Zukunft der Produktion von Produkten und Dienstleistungen und den Wirkungen des jetzigen Sozialsystems beschäftigte.

Was kann ich gegen die Idee haben, das Computer und Maschinen die Arbeit machen und für mich die Produkte bauen und Dienste anbieten, die es mir ermöglichen "faul in der Sonne liegend" (welche ein Frühlingswetter heute) über eine Gesellschaft nachzudenken, die sich nicht so irrwitzig ökonomisch, ökologisch und sozial verschuldet, während auch wahr ist, dass anständige und fleißige Leute durch meine Privatinsolvenz auf ihr redlich erarbeitetes Vermögen verzichten mussten. Bin ich jetzt zu ächten? ein Depp? ein Schmarotzer? Oder nutze ich einfach nur das Recht, dass mir die Bürger Deutschlands in freier Wahl zugestanden haben während ich versuche in redlicher Absicht zurückzugeben, was ich anderenorts erhalten habe.  Ich jedenfalls bin dankbar in einer Gesellschaft zu leben, die mich im Scheitern nicht alleine lässt und mir einen angemessenen Teil meiner Erfolge zur persönlichen Verwendung lässt. Deshalb bin ich auch für mehr Demokratie und sich selbst regulierende, auf Ausgleich und Gerechtigkeit bedachte Systeme statt für autokratische Systeme, die ihre Wahrheit zur alleinig sinnvollen erklären.

Im übrigen: ein BGE ohne ein gerechtes Steuersystem und eine allgemeine Gesundheitssicherung wird wohl nicht funktionieren, siehe http://www.innovativemitte.de/gemeinschaftliche-vor-und-fuersorge.html

Zur Frage der Größe der Aufgabe: Wer für eine Idee eintritt, kann verlieren. Wer aufgibt, bevor er sich einsetzt, hat schon verloren.

Es geht um gut leben statt mehr haben.

Herbert Haberl
Unternehmer und Aktivist für ökohumanes Tätigsein

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