Wirtschaftliches Wachstum ist wie das Wasser einer Badewanne. Anfangs sehr sinnvoll, aber dann ...

Wirtschaftliches Wachstum ist wie Wasser in einer Badewanne. Die Badewanne ist die Welt und die im Wasser schwimmenden sind die Menschen, die sich durch das Wasser Wohlgefühl/Wohlstand erhoffen. 

Durch Wasser einlassen weicht die Trockenheit, man kann dann daraus trinken, man kann darin baden, und alles was sich darin auffällt oder darin schwimmt, profitiert vom Wasser. Der eine weil, es ihn nährt oder pflegt. Der andere, weil er mit hoch getragen wird und nicht mehr auf dem Trockenen sitzt. Soweit so gut. Also: Alle profitieren vom Wachstum, symbolisiert durch das Wasser. 

Das Bewegen im Wasser verändert ständig die Mischung und der Zulauf verteilt sich unterschiedlich. Aber man stelle sich vor, heißes und kaltes Wasser würde sich weitestgehend nicht mischen, in anderen Worten, der soziale Ausgleich findet nicht statt, dann würde es an einigen Stellen heiß oder gar zu heiß bleiben und an anderen kalt oder gar zu kalt. Im Extremfall wollte keiner im Wasser bleiben oder man würde das es mischen wollen, jedenfalls gäbe es viel Unruhe, solange es wieder für alle in der Wanne erträglich ist. Oder einer schottet sich vom anderen ab und sieht zu, dass es nicht im Trockenen sitzt. Aber der Spaß gemeinsamen Badens ist dann dahin. 

So war es bisher beim Wachstum und der Verteilung des so entstandenen Wohlstands. Aber nun kommt eine neue Herausforderung, Die Wanne läuft nicht genügend ab oder es läuft mehr zu als ab. Die Folgen des Zulaufs überfordert die Wanne. In anderen Worten: Exponentielles Wachstum in einer begrenzten Welt bzw. einer Welt, die sich nicht regenerieren kann, führt unweigerlich dazu, dass mehr vom gleichen Wachstum schadet oder sinnlos wird.

Und nun? Wasser abdrehen und warten bis es, auch wegen unsere Ausdünstungen und Ausscheidungen unbrauchbar wird? Klingt nicht gut. Oder weniger Zulauf und besserer Ablauf. Also weniger Emissionen und Abfälle und mehr Recycling und Nachhaltigkeit. Das klingt doch gut. Oder mal anderes Wasser rein? Vielleicht mit mehr Nährwerten und weniger Nachteilen? 

Wir sehen. Endloses Wachstum in einer begrenzten Welt führt irgendwann zur Selbstzerstörung. Wachstum ist also kein Wert an sich, sinnvolles Wachstum ist gefragt und weniger Wachstum, wenn dessen Nachteile nicht zu ertragen sind.

Zurück zum Leben:

  • Ich will weniger Wachstum und letztlich den Ausstieg aus der fossil-atomaren und stattdessen regenerativen Energie. Die funktioniert anders. Sie kann überall auf der Welt gewonnen werden und bedarf intelligenter Netze, die mit möglichst wenig Verlusten die natürlichen Schwankungen der Energiegewinnung und die bedarfsgerechte Verteilung der Energie organisieren - eine Art Internet für Energie mit ein paar schlauen Netzknoten. Warum sollte uns nicht mit Energie gelingen, was bei der Information schon funktioniert?
  • Ich will weniger Wachstum und letztlich den Ausstieg aus der privaten Geldschöpfung und stattdessen demokratisch geschöpftes, nachhaltig genutztes Geld. Also die Geldschöpfung letztlich einzig bei einer demokratischen Institution, verwaltet nach dem Prinzip der Gewaltenteilung. Die Bundesbank produziert das Geld und verwaltet dessen Menge und Verteilung: "Geld-Legislative". Die Banken machen Geld dann zu Kredit und Wirtschaftskraft: "Geld-Exekutive". Und die eine demokratisch gewählte, unabhängige Vernunft verwaltet die Zugangs-, Nutzungs- und Verteilungsrechte; die Rolle der "Geld-Judikative" fällt dann der gewählten Staatsführung zu. 

Utopie? Nicht mehr Utopie als es die Menschenrechte oder die Demokratie, die Freiheit oder die Gerechtigkeit, die Liebe oder die Ethik sind. Alles machbar. Sobald wir den Sinn erkannt haben. 

Es geht um gut leben statt mehr haben

Herbert Haberl
Unternehmer und Aktivist für ökohumanes Tätigsein